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Meinungen von Sachverständigen

Brandschutz in Gebäuden

Die baulichen Maßnahmen sind vielfältig. Das Brandverhalten von Baustoffen, der Feuerwiderstand der Bauprodukte und weitere brandschutzrelevante Aspekte müssen eingeschätzt werden. Eine Vielzahl von Normen regelt die Verwendung der Baustoffe und die Bauweise in Abhängigkeit vom Objekt. Brandschutzmaßnahmen gehören zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen. „Grundsätzlich definiert die Bauordnung den Brandschutz“, erklärt Dipl.-Ing. Architekt Wolfgang Wulfes, Bundesfachbereichsleiter Bau im Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS). „Verordnungen, Richtlinien, Normen und weitere Regelwerke legen die Anforderungen an den Brandschutz in Planung und Ausführung sowie der Verwendung der Baumaterialien fest. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien, also die brandschutztechnischen Schutzziele, überwachen die Planer und Architekten, wobei immer auch der Bauherr selbst in der Verantwortung steht.“

Bisher hat in Deutschland die Bauregelliste vom Deutschen Institut für Bautechnik die Verwendung und Prüfung der durch Normen geregelten Baustoffe und Bauteile für den Brandschutz geregelt. Doch ist Deutschland von der EU verklagt worden, weil durch die in Deutschland geltenden besonderen Anforderungen an Baustoffe der freie Warenverkehr in Europa behindert wird. „Nun soll die Bauregelliste in durch eine Muster-Verwaltungsvorschrift Technischer Baubestimmungen (MVV TB) ersetzt wurden, was unserer Meinung nach zu einem Qualitätsverlust bei Baustoffen und Bauweisen führen kann. Die europäisch harmonisierten Normen enthalten teilweise nicht die in Deutschland geforderten Anforderungen und Prüfungen an Baustoffe und Bauteile“, kritisiert Wolfgang Wulfes, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden.

Bauherren sind vor die Herausforderung gestellt, die Gesetze, Normen und Regeln hinsichtlich des Brandschutzes einzuhalten und dafür Sorge zu tragen, dass die Bauteile den Vorgaben entsprechen. „Im Prinzip gelingt dies nur noch mit einer unabhängigen Qualitätsüberwachung“, weiß Wulfes.

Wie wenig Sinn teilweise die nunmehr europäisch vorgeschriebene Harmonisierung macht, erläutert Wulfes an einem einfachen Beispiel: Genormte Ziegelsteine müssen z.B. Angaben über ihr Gewicht, ihre Wärmedämmwerte, ihre brandschutztechnischen Eigenschaften und auch Angaben zur Frostbeständigkeit aufweisen. In Punkto Frostbeständigkeit hat z.B. Spanien, allein durch das mediterrane Klima, andere Anforderungen an die Frostbeständigkeit der Ziegel als Deutschland. Wird nun der spanische Ziegel im deutschen „Häusle“ verbaut, entspricht er eventuell nicht den in Deutschland erforderlichen Anforderungen. Den Schaden hat der Bauherr, denn nur in Deutschland geltende Zusatzanforderungen an Baumaterialen dürfen nicht mehr verlangt werden. Gleiches lässt sich am Beispiel Dämmstoffe durchexerzieren. Dieser Nachteil soll nun durch die MVV TB ausgeglichen werden „Natürlich hat der Bauherr benannte Erfüllungsgehilfen (Architekt, Bauleiter, usw.), die helfen, die Regeln einzuhalten und auch die ausführenden Gewerke überwachen, doch gleichzeitig braucht es im Prinzip eine Prüfung aller Baumaterialien, ob diese der Bauproduktenverordnung entsprechen. Denn spätestens am Tag der Abnahme muss das Bauvorhaben nach aktuell bestätigtem BGH-Urteil, so nicht anders zuvor vereinbart, wie im Privatsektor oft üblich, die Einhaltung der Anerkennten Regeln der Technik nachweisen.“

Kommt man zurück zum Brandschutz, so definiert der Gesetzgeber zum Beispiel Eigenschaften wie „feuerhemmend“; in diesem Fall muss ein Bauprodukt 30 Minuten lang einem Feuer standhalten, bis feuerbeständig (90 Minuten Brandwiderstand). Dieses Ziel muss mit Bauprodukten erreicht werden, deren Qualität in Normen geregelt ist. Wenn aber die Normen nicht alle Kriterien beschreiben und definieren, die in Deutschland zur Erreichung der Qualität erforderlich sind, müssen die Brandschutzplaner diese fehlenden Kriterien bei der Wahl der Baustoffe und Bauteile gesondert überprüfen. Zusätzlich sind die in den Bundesländern erstellten Listen der eingeführten technischen Baubestimmungen zu beachten. Die in den Listen enthaltenen Normen müssen in jedem Fall angewendet werden.

Die Klassifizierung der Baustoffe in Feuerwiderstandsklassen ist ebenso relevant wie die Bauweise. Bei einem Reihenhaus muss beispielweise der Dachstuhl so gebaut werden, dass zwischen ihm und dem Nachbarhaus ein Meter nicht brennbares Material vorhanden ist, damit der Brand nicht übergreifen kann.“

Wie differenziert der Brandschutz betrachtet werden muss, zeigen nicht zuletzt die Hochausbrände in England oder auch der Berliner Flughafen BER. „In England wurden klar Baustoffe verwendet, die nicht schwer entflammbar sind. Das erklärt die fatalen Folgen.“

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