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Meinungen von Sachverständigen

Trau, schau, was – von Siegeln und Kennzeichen

Ein Kennzeichen garantiert Produktqualität; ein Siegel verspricht geprüfte Ware – das ist Verbraucher-Illusion. Die CE-Kennzeichnung, auch bekannt als CE-Zeichen, lässt keine Rückschlüsse zu, ob das Produkt durch unabhängige, sachkundige Stellen auf Einhaltung aller Richtlinien geprüft wurde. Die hinter dem Kennzeichen aufgeführte Kennnummer erklärt lediglich, dass das Produkt konform zu den Vorgaben der europäischen Union gefertigt wurde. Dies wiederum wird vom Hersteller oder einer vom Hersteller beauftragten Firma dokumentiert. Eine Prüfung ist dies nicht. „Die CE-Kennzeichnung ist rechtlich kein Gütesiegel“, erklärt Wolfgang Jacobs, Geschäftsführer des BVS (Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V.). „Sie dokumentiert lediglich die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards. Dies ist den Verbrauchern oft nicht bewusst.“

Der Hersteller erklärt mit der CE-Kennzeichnung, dass das Produkt den Anforderungen der EU-Verordnung 765/2008 genügt. „Es fehlt im Prinzip an ausreichender gesetzlicher Regulierung“, so Jacobs. „Auf dem deutschen Markt gibt es derzeit ca. 1.000 verschiedene Kennzeichnungen und Labels. Das irritiert den Verbraucher. Benötigt wird dann wieder eine kompetente Beratung, die unabhängig, unparteiisch und weisungsfrei ist, so wie sie von den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen des BVS vorgenommen wird. Doch dies ist nicht realisierbar, wenn man zum Beispiel ein Radio oder eine Gartenschere kauft.“

Zudem erfolgte große Verunsicherung, da ein der CE-Kennzeichnung zum Verwechseln ähnliches Zeichen unter dem Namen „China Export“ in den Medien grassierte. „In der Tat ist es so, dass Produkte mit gefälschten CE-Kennzeichen oft vorkommen“, weiß Gabriele Bernhardt von der Wettbewerbszentrale. „Wir hatten zum Beispiel den Fall, in dem ein Hersteller von Sandstrahlmaschinen sich darüber beschwerte, dass vergleichbare Produkte mit falschem Kennzeichen aus China eingeführt werden. Auch haben wir aktuell Amazon als Plattform verwarnt, da dort – und im Internet – viele Produkte auf den deutschen Markt geworfen werden, die nicht unseren Vorschriften entsprechen, aber über irreführende und/oder gefälschte Kennzeichen verfügen. Auch in Hinblick auf die Schadenshaftung sind solche Produkte gefährlich.“

Gütesiegel und Prüfzeichen können grundsätzlich nur durch unabhängige Institutionen oder Firmen entwickelt und gestaltet werden. Sie sollen positive Hinweise zum Produkt liefern, dieses als qualitativ hochwertig einordnen und den Hersteller als besonders vertrauenswürdig darstellen. „Es gibt zahlreiche etablierte und seriöse Gütezeichen wie zum Beispiel FairTrade oder ÖkoTex“, erklärt Wolfgang Jacobs. „Aber wegen der auch hier fehlenden gesetzlichen Regulierung ist ein Missbrauch nicht immer vermeidbar.“

Kritisch wird es, wenn Produkte auf den Markt kommen, die gefährliche Inhaltsstoffe beinhalten, aber deren Verpackung den Inhaltsstoff verharmlost und gleichzeitig keine Gefahrenkennzeichnung aufweist. „Wir beobachten aktuell, dass Pfefferspray in rosa Verpackungen als Lippenstift im Internet zu erwerben ist. Die Verpackung suggeriert einen harmlosen Inhaltstoff. Oft fehlen auch die Gefahrenhinweise. Dies sind eklatante Verstöße gegen die Gefahrstoffverordnung“, so Rechtsanwältin Bernhardt. BVS und Wettbewerbszentrale sind sich einig: Sicherheit kann es nur durch stärkere Kontrollen und eine klarere gesetzliche Regulierung der Kennzeichen geben.

„Geht es um große Anschaffungen, Bauvorhaben, Prüfungen oder Planungen, ist es ratsam, einen fachkundigen Sachverständigen präventiv oder begleitend zu Rate zu ziehen“, betont der BVS-Geschäftsführer. „Letztlich gilt dies natürlich auch für das unabhängige Gutachten im Schadensfall.“

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