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Erdungsanlagen und Fundamenterder: Standpunkt der Sachverständigen im BVS

Unter einem Fundamenterder versteht man ein leitfähiges Element, das im Beton eines Gebäudefundamentes als geschlossener Ring eingebettet wird. Die DIN 18014 definiert Fundamenterder hinsichtlich ihrer Planung, Ausführung und Dokumentation. Die Aktualisierung der Norm im Jahr 2014 verschärfte und erweiterte die Anforderungen. Deutschland fordert gemäß der aktuellen Norm DIN VDE 0100-540 für alle neuen Gebäude einen Fundamenterder entsprechend der DIN 18014. Dies führt zu der interessanten Fragestellung, ob damit alle bestehenden Gebäude in Deutschland bzw. im Ausland, ohne normgerecht ausgeführten Fundamenterder, ohne Schutz sind?

Die Bundesfachbereiche Bau und Technische Gebäudeausrüstung des BVS (Bundesverband der öffentlich bestellten und vereidigten sowie qualifizierten Sachverständigen e.V.) haben zum Thema Erdungsanlagen einen Standpunkt herausgegeben. „Fundamenterder haben, je nach technischer Ausstattung der Gebäude und Art der Netzsysteme im Verteilungsnetz des elektrischen Energieversorgers, unterschiedliche physikalische Aufgaben“, erklärt Martin Schauer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Elektrotechnikerhandwerk und elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder. „Die Errichtung muss in der frühen Bauphase bereits eingeplant werden. Wir erachten einige Punkte als kritisch und sehen die Notwendigkeit, die technischen Aspekte von Erdungsanlagen darzustellen und Handlungsempfehlungen zu geben. Diese Empfehlungen haben wir in dem BVS-Standpunkt über Erdungsanlagen aktuell zusammengefasst“, so der Leiter des BVS-Arbeitskreises Fundamenterder-Erdungsanlagen weiter.

Als einen der wichtigen Punkte für die Erarbeitung eines Standpunktes nennt der BVS, dass es bei der Umsetzung der früheren Ausgabe der DIN 18014 (2007) erhebliche organisatorische, fachliche bzw. technische Probleme in der Praxis gab und bestehende Vorgaben kaum umgesetzt wurden. „Eine erhebliche Anzahl von Elektroanlagen existiert in Gebäuden ohne entsprechend der DIN 18014 installierte Fundamenterder bzw. bei älteren Gebäuden im Bestand, ohne Fundamenterder in Betrieb, ohne dass es zu nennenswerten Funktionsstörungen bzw. Einschränkungen im Personen- und Sachschutz käme. Die Nachrüstung von Erdungsanlagen bzw. Fundamenterder für bestehende Gebäude wird nicht gefordert. Die Errichtung eines Fundamenterders in allen neuen Gebäuden wird gemäß der aktuellen DIN VDE 0100-540 nur in Deutschland gefordert. Unter ungünstigen Bedingungen bzw. bei einigen technischen Anwendungen können, wie in unserem Standpunkt gelistet, bei normgerechter Ausführung eines Fundamenterders auch Nachteile bezüglich der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) entstehen“, erläutert der Sachverständige Schauer.

Der BVS formuliert in seinem Standpunkt, dass erhebliche wirtschaftliche und technische Folgen für die Beteiligten am Markt, insbesondere auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen, die Folgen sind. „Es ist daher notwendig, die technischen Aspekte von Erdungsanlagen darzustellen und Handlungsempfehlungen zu geben“, so der Tenor der BVS-Bundesfachbereiche Bau und Technische Gebäudeausrüstung. Als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige verfügen die Experten nachweislich über besonderes Fachwissen und agieren weisungsunabhängig und unparteiisch. Entsprechend sind sie nicht nur als Gerichtsgutachter tätig, sondern werden auch in Fachgremien zu Rate gezogen.

In dem Standpunkt empfehlen die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen Erdungsanlagen – sofern wie z.B. im TT-System erforderlich – gemäß DIN VDE 0100-540 zu bewerten. Die Zielwerte für den maximalen Erdungswiderstand sind der Tabelle NA.3 der DIN VDE 0100-600 zu entnehmen. Für Gebäude mit Blitzschutzsystemen bzw., falls ein solches System nachgerüstet werden soll, empfiehlt der BVS entsprechende Erdungsanlagen gemäß der DIN EN 62305 zu bewerten. Bei Gebäuden mit besonderen Anforderungen an die EMV rät der BVS, im Rahmen einer Bewertung, die Anforderungen bezüglich EMV-Potentialausgleich gemäß der DIN VDE 0100-444 bzw. der DIN EN 50310 zu berücksichtigen. Werden Erdungsanlagen durch Kabelnetze für Fernsehsignale, Tonsignale und interaktive Dienste erforderlich, ist gemäß BVS-Standpunkt für die Bewertung die DIN EN 60728 anzuwenden.

„Der Planer, Sachverständige bzw. Errichter der elektrischen Anlage sollte bei Anschluss an das öffentliche Netz im TN-C-System den Betreiber der Elektroanlage im Gebäude über mögliche, nachteilige Auswirkungen auf die EMV sowie einen möglichen Konflikt mit dem EMV-Gesetz durch die Installation einer Erdungsanlage mit geringem Erdübergangswiderstand unterrichten“, erklären die Sachverständigen. Einen weiteren gibt die EMV: „Bei zu erwartenden negativen EMV-Auswirkungen ist die Anwendung des TN-S-Systems im Verteilnetz sinnvoll. Zur Errichtung von Reihenhäusern sagt der Standpunkt: Die Ausführung des Fundamenterders gemäß DIN 18014 kann hier zu EMV-Problemen führen, da die Stromstärke der Streuströme und entsprechende Magnetfeldemissionen über niederohmige Verbindungen der Stahlbewehrung bzw. der Erdungsmaßnahmen in Teilabschnitten stark ansteigen kann.

Der Standpunkt kann als PDF unter folgendem Link heruntergeladen werden:

http://www.bvs-ev.de/downloads/bvs-standpunkte-richtlinien/

 

Infokasten

Die Anforderungen bzw. Grundsätze im Hinblick auf die Schutzmaßnahmen sind in den Normen DIN VDE 0100-100, DIN VDE 0100-410, VDE 0100-540, VDE 0100-600 dargelegt.

Festlegungen zur Funktion bzw. EMV sind in den Normen DIN VDE 0100-444, DIN EN 50310 (VDE 0800-2-310) enthalten.

Die Normen DIN EN 60728-2 (VDE 0855-1), DIN EN 62305-3 sowie DIN EN 62305-4 führen Festlegungen zum Blitzschutz auf.

Der BVS (Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V.) mit rund 4.000 Sachverständigen ist bundesweit die mitgliedsstärkste Vereinigung öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger.

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