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Meinungen von Sachverständigen

BVS-Empfehlungen zur Konditionierung von Nebenräumen in Untergeschossen

Vielseitigere Nutzung kellerartiger Räume lässt bauliche Ansprüche steigen

Die Zeiten, in denen Kellerräume vor allem als kühle Vorratskammern dienten, sind vorbei. An die Stelle einer eindeutigen Zweckzuweisung ist eine Vielzahl individueller Nutzungen getreten, vom Mieterkeller bis zur Trockensauna. Regeln für die Konditionierung von Nebenräumen in Untergeschossen lassen sich daher nicht pauschal, sondern nur anhand von Fallgruppen aufstellen. Vereinheitlichende Gesetze oder Normen gibt es nicht. Der Fachbereich Bau im Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS), insbesondere der Arbeitskreis „Nebenräume in Untergeschossen“ unter der Leitung von Regierungsbaumeister Dipl-Ing. Bernd Ehrmann, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, hat zum Thema einen BVS-Standpunkt erarbeitet. Er dient als Empfehlung und beschreibt nach Auffassung der im BVS organisierten Sachverständigen allgemein anerkannte Regeln der Technik.

Bei der Konditionierung steht die Frage angemessener Dämmung und Belüftung im Fokus. Die Erfordernisse variieren je nach Nutzung und baulichen Randbedingungen wie Temperatur, Wand- und Bodendichte. Anforderungen finden sich in der Musterbauordnung sowie den Landesbauordnungen. Ergänzend lassen sich in einzelnen Normen und Richtlinien sowie in Gerichtsentscheidungen allgemeine Ansätze finden, die auf die Konditionierung von Kellerräumen übertragbar sind. Der BVS griff auf die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (Lüftung), den Schimmelpilz-Sanierungsleitfaden des Umweltbundesamtes, das DBV-Merkblatt „Hochwertige Nutzung von Untergeschossen – Bauphysik und Raumklima in der Fassung von 2009, die EnEV, die DIN-Normen 18195 (Bauwerksabdichtungen), 1946-6 (Raumlufttechnik) und 4108 (Wärmeschutz und Energieeinsparung) sowie einschlägige Rechtsprechung zurück.

Der BVS rät ausdrücklich dazu, vor Planungsbeginn anstehende Nutzungen sowie mögliche Nutzungsänderungen in der Zukunft zu besprechen und klimatische Bedingungen festzulegen. Angesichts generell erhöhter Gefahr für Schimmelpilzbildung, sind auch solche Kellerräume hinsichtlich ihrer Konditionierung zu beplanen, die nur zeitweilig dem Aufenthalt dienen sollen. Ausgehend von der vertraglich vereinbarten oder vorausgesetzten, mutmaßlichen Raumnutzung, empfiehlt der BVS folgende Konditionierungen.

Bei Neubauten ist insbesondere in den ersten zwei Jahren, bis zur Einstellung von Ausgleichsfeuchtigkeit in den Bauteilen, mit erhöhter Baufeuchtigkeit zu rechnen. Das Aufstellen von Entfeuchtern kann in dieser Zeit sinnvoll sein.

Bei älteren Bauten sind undichte Wände und Böden zu berücksichtigen. Die Konditionierung sollte den altersbedingten Veränderungen angepasst werden mit der Folge, dass der Aufwand sich auch verringern kann.

Soweit die vorgesehene Nutzung und die baulichen Gegebenheiten es rechtfertigen, bieten sich allgemein zugängliche Kellerfenster, zentrale Lüftungsanlagen oder temperatur- und feuchtigkeitsgesteuerte Einzellüfter an.

Kellerräume sind zu beheizen, wenn erhöhte Feuchtelasten durch Belüftung nicht mehr abgeführt werden können.

Zu hohe Feuchtigkeitsbelastungen in Lagerräumen und Mieterkellern mit niedriger Innentemperatur lassen sich über Fenster und Lichtschächte reduzieren.

Die Möglichkeit sensorgesteuerter Entfeuchtung, Lüftung, Beheizung oder wärmetechnischer Trennung sollte geprüft werden.

Räume mit erhöhtem Lüftungsbedarf wie Saunen sollten bei Neubauten als Räume mit normalen Innentemperaturen ausgebildet werden. Handelt es sich um innen liegende Räume, bedürfen sie feuchtigkeitsunabhängig einer mechanischen Lüftung.

Hausanschluss- und Heizräume verfügen über eigene Wärmequellen und sollten als Kalträume ausgebildet werden.

Auf feuchtigkeitsempfindliche Baustoffe wie Gipskarton sowie auf Dispersionsanstriche sollte verzichtet werden.

Regale und Schränke sind an allen Außenwänden und an feuchten Innenwänden mit Abstand aufzustellen, um Luftzirkulation zu ermöglichen.

Bei Altbauten ist auf einen wirtschaftlich noch vertretbaren Konditionierungsaufwand zu achten.

Untergeschosse mit höherwertiger Nutzung, etwa als Musik- oder Gästezimmer, sind als Räume mit normaler Innentemperatur zu betrachten und nicht Gegenstand dieses Standpunktes.

Pressekontakt:

Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter
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Willi Schmidbauer, BVS-Präsident
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