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Meinungen von Sachverständigen

Infektionskrankheiten von Nutztieren - BVS-Sachverständiger gibt Auskunft zu Hintergründen und Verhaltensregeln für Verbraucher und Halter

Geflügelgrippe, Schweinepest, Tierfutterskandale: Ob Halter oder Verbraucher - Tierinfektionskrankheiten und Verunreinigungen der Nahrungskette sorgen für Verunsicherungen. Dr. med. vet. Hans-Georg Basikow, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im BVS (Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V.), erklärt Ursachen und Hintergründe.

Herr Dr. Basikow, Sie sind Veterinärmediziner und Sachverständiger, öffentlich bestellt und vereidigt für Analysen und Bewertungen im Rahmen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuchs inkl. Trinkwasser, Prozess- und Produkthygiene. Erklären Sie bitte kurz, woher die Geflügel- bzw. Schweinegrippe kommt.

Die Grippearten der Tierart Schwein und der Tierart Geflügel gibt es schon immer. Diese sind immer auf die jeweilige Tierart beschränkt. Insbesondere bei Massentierhaltungen treten diese vermehrt auf. Hier kann Stress und/oder der hygienische Zustand einen auslösenden Faktor darstellen. Das Besorgniserregende ist die Tatsache, dass insbesondere bei engen Tierhaltungen, wo Menschen, Hühner und Schweine zusammen wohnen und leben, sich die Viren gegenseitig beeinflussen können und dann vom Tier auf den Menschen übergehen können.

Was versteht man unter der Geflügelgrippe bzw. der Schweinepest genau?

Geflügelgrippe, auch Geflügelpest genannt, erklärt ein und dieselbe Erkrankung und meint eine durch Viren ausgelöste Geflügel-Influenza, die hoch ansteckend ist und für das Tier tödlich verläuft. Die Erreger bzw. die Krankheit sind schon länger bekannt. 2013 sorgte sie in Deutschland für Aufregung und trat vor allem in Brandenburg und dem Schwarzwald auf. Bei dem hier auftretenden Virenstamm H5N1 gingen die Mediziner davon aus, dass sich auch der Mensch infizieren könne. Bei dem aktuellen Vogelgrippevirus H5N8 wird eine Übertragung auf den Menschen nicht ausgeschlossen, ist jedoch auch nicht nachgewiesen. Alle Viren können sich jederzeit modifizieren, sprich verändern, und sind damit generell schwer zu bekämpfen. Der Virusstamm H5N8 befällt nicht nur Hühner, sondern auch Enten, Puten etc.

Die Schweinegrippe ist ebenfalls eine durch Viren ausgelöste, hoch ansteckende und fieberhaft verlaufenden Infektionskrankheit der Schweine mit seuchenhaftem Verlauf und hoher Sterblichkeit. Betroffen sind Haus- und auch Wildschweine<s>.</s> Anzeichen der ersten Krankheitssymptome bzw. der Ausbruch oder Verdacht des Krankheitsausbruchs sind anzeigepflichtig.

 

Welche Tiere sind allgemein betroffen?

Alle Hausschweine, gelegentlich auch Wildschweine. Beim Geflügel kann es Enten, Hühner, Puten und Gänse aber auch wildlebende Wasservögel befallen.

 

Warum muss man alle Tiere schlachten?

Das Virus vermehrt sich nur im lebenden Tierkörper. Eine Keulung (Nottötung) ist unausweichlich. Hierbei wird kein Blutentzug vorgenommen, um das Virus im Körper zu belassen. Die toten Tiere werden verbrannt und der Stall desinfiziert.

 

Wo liegt der Unterschied in der Infektion zwischen Haus- und Nutztieren und Wildtieren?

Der Unterschied liegt in der Anzahl der Tiere. Vereinzelte Wildvögel haben das Virus in Ställe gebracht und dort fand das Virus massenweise „Material“ um sich zu vermehren. Die Wildtiere sind nicht so eng zusammen, wie Haustiere.

 

Wie und warum kann sich der Mensch anstecken?

Der enge Kontakt mit den Tieren, wie in Asien noch territorial üblich, ist der Auslöser der Erkrankung. Die Menschen dort stecken sich bei den Tieren an, das Virus verändert sich und nun wird der Mensch zum Überträger für andere Menschen.

 

Wer kontrolliert die Einhaltung der Hygienevorschriften in den Ställen?

In Deutschland ist der Landwirt mit seinem Vertragstierarzt dafür verantwortlich. Die Vorschriften überprüfen die oft personell eher schwach besetzten Veterinärämter.

 

In welchen Abständen und nach welchen Vorschriften werden diese überprüft?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Der Landwirt wird seinem Vertragstierarzt sofort melden, wenn er einen Verdacht hat. Aber, wenn die Symptome aufgetreten sind, ist es meist zu spät. Nach den geltenden gesetzlichen Vorschriften finden die Überprüfungen statt. Natürlich kann aber jeder Geflügel- oder Schweinehalter vorsorgliche Maßnahmen treffen. Zu den Vogelflugzeiten der Wildvögel ist zum Beispiel auf erhöhte Stallhygiene und Hygiene des Außengeheges zu achten. Die Fütterung im Freien sollte unterlassen werden. Die Einhaltung der Desinfektionsregeln ist ebenso wichtig.

 

Wieso treten diese Infektionen immer wieder auf – erklären Sie den Kreislauf.

Das Virus ist latent in der Wildtierpopulation vorhanden. Sind beispielsweise infizierte Vögel nicht im Vogelzug und sind keine größeren Tieransammlungen von Wildtieren und/oder Haustieren vorhanden und stimmen die Umweltbedingungen, bleibt es ruhig. Immer, wenn starker Futtermangel oder Temperaturschwankungen auftreten und infizierte Wildtiere sich in die Nähe von Ställen begeben, kann es "losgehen" und eine neue Infektionswelle rollt an.

 

Welche Auswirkungen haben die Gaben von Antibiotika bei Tieren auf den Menschen?

Der Einfluss ist gering, da der Virus nicht auf Antibiotika reagiert. Antibiotika werden gegen Bakterien eingesetzt, so wie bei dem Menschen auch. Die Antibiotika-Gaben bei Tieren in der Massentierhaltung und -produktion werden ausschließlich angewandt, um gegen bakterielle Erkrankungen vorzugehen. Unnötige Antibiotika-Gaben, wie von einigen „Verbraucherschützern“ gebetsmühlenartig immer wieder vorgetragen, sind nur vereinzelt, meist durch den Tierhalter, verursacht.

 

Was müssen Verbraucher beachten?

Ich empfehle, auf rohes Geflügel- und Schweinefleisch zu verzichten. Mal einen Hackepeter, sprich ein Mett-Brötchen, warum nicht. Aber dies sollte nicht zu oft vorkommen. Ebenso sollte man auf die hygienischen Umstände der Zubereitung achten. Beim Fleischer des Vertrauens (Innungsmitglied mit F-Zeichen), kann man grundsätzlich sicher einkaufen.

 

Was können Halter von Nutztieren beachten?

Die Hobbyhalter ("Ich möchte mein selbst erzeugtes Ei essen") sollten sich vor Beginn einer Haltung über die Folgen und Notwendigkeiten erkundigen. Im Stadtgebiet sollte man meiner Meinung nach ganz auf die Haltung von Nutztieren verzichten.

 

Hat die Art der Haltung auch etwas mit Infektionen zu tun?

Selbstverständlich! Je mehr Tiere, um so „gefährlicher“. Große Schweinehaltungen in der Nähe von großen Geflügelhaltungen sollten vermieden werden. Auch sollte der Austausch von Personal zwischen den Ställen nicht stattfinden, da jeder als potentieller Verbreiter von Infektionen gilt und das Virus z. B. an den Gummistiefeln von einem Stall in den nächsten transportieren kann.

 

Ist Biofleisch weniger gefährdet?

So ist es! Die Haltungen der Tiere sind nicht so eng; die Tiere haben mehr Platz. Aber sind die Tiere im Sperrkreis eines Infektionsherdes, müssen auch diese getötet werden. Hier steht der Schutz der Menschen an erster Stelle! Darum auch die Eilverordnung des BLM, die besagt, dass alle Tiere vor dem Transport getestet werden müssen, bevor eine Verlegung durchgeführt wird. Eine einfache, aber weise Entscheidung der Politik. Verbraucher sind heute durch die Medien über Bioprodukte informiert, doch sollte auch jeder wissen, dass Bioprodukt nicht gleich Bioprodukt ist. Regionale Erzeugnisse haben immer eine andere Qualität als importierte. Dies ergibt sich schon aus dem Transportweg.