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Meinungen von Sachverständigen

Qualifizierte Sachverständige sind rar – der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS) setzt sich aktiv für die Nachwuchsförderung ein

Sie fehlen im Handwerk, in der Technischen Gebäudeausstattung, im Brandschutz – nur einige Bereiche, bei denen qualifizierte Sachverständige gefragt sind. Umso wichtiger, qualifizierte Anwärter auf ihrem Weg zum Sachverständigen zu betreuen, meint der BVS als bundesweit mitgliedsstärkste Vereinigung öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und setzt sich aktiv für die Nachwuchsförderung ein. Ralf Masuch, BVS-Bundesfachbereichsleiter Technische Gebäudeausrüstung (TGA), betreut aktuell den 35-jährigen Anwärter Grant Hummel auf seinem Weg zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für vorbeugenden baulichen Brandschutz.

Herr Masuch, wie kommt es zu einem Nachwuchsmangel im Sachverständigenwesen und wie fördert der BVS die angehenden Sachverständigen?

Nun, Sachverständige mag es genügend geben. Allerdings ist der Begriff nicht durch ein Berufsgesetz geschützt. Das heißt, dass sich jeder Sachverständiger nennen kann. Die öffentliche Bestellung und Vereidigung ist eines der höchsten Qualitätsmerkmale. Ein Antragsteller auf die öffentliche Bestellung und Vereidigung muss bei den bestellenden Institutionen bzw. Bestellungskörperschaften ein Prüfungsverfahren durchlaufen, in dem die persönliche und fachliche Eignung zur Erstellung von Gutachten sowie der überdurchschnittliche Sachverstand und Fähigkeiten im jeweiligen Fachgebiet geprüft werden. Nur Antragsteller, die ihre fachliche Qualifikation und persönliche Eignung im Prüfungsverfahren gegenüber der Prüfungskommission darlegen konnten, werden öffentlich bestellt. Der Weg dahin ist nicht einfach, denn das überdurchschnittliche Fachwissen, die langjährige Berufserfahrung und die persönliche Eignung müssen nachgewiesen werden. Der BVS bietet im Rahmen des Forum Neue Sachverständige (FNS), in dem Anwärter persönlich betreut und unterstützt werden, eine wichtige vorbereitende Plattform. Als Bundesfachbereichsleiter TGA unterstütze ich beispielsweise Anwärter wie Herrn Hummel, deren Bestellungsgebiet in diesem Bereich liegt.

 

Herr Hummel, ein langer Weg. Wie kam es zu der Entscheidung?

Ich bin seit fünf Jahren hauptberuflich im Brandschutz tätig, berate aktuell in meiner jetzigen Firma Architekten, Fachunternehmen und Handel für diesen technischen Bereich. Zuvor habe ich Maler und Lackierer gelernt, meinen Meister gemacht und berufsbegleitend an der Berufsakademie BWL studiert. Ohne fachliches Know-how geht es nicht. Und ich möchte auch hier die höchste Qualifikation erlagen, daher strebe ich die öffentliche Bestellung und Vereidigung an. Ich will auf Augenhöhe agieren und die entsprechende Verantwortung übernehmen.

Herr Masuch, wie sehen die Schritte aus, die ein angehender Sachverständiger unternehmen muss?

Mein Anwärter Herr Hummel hat es bereits angesprochen: Zunächst müssen natürlich die entsprechenden Qualifikationen vorliegen. Die persönliche und fachliche Eignung zur Erstellung von Gutachten werden in einem umfangreichen Prüfungsverfahren festgestellt. Hier werden die überdurchschnittliche Eignung und die Befähigung von der bestellenden Institution festgestellt, wie bereits erwähnt. Die Bestellungskörperschaft - dies können zum Beispiel die Handwerkskammern oder Industrie- und Handelskammern sein - definieren die fachlichen Bestellungsvoraussetzungen für das Sachgebiet; im Fall von Herrn Hummel also für den vorbeugenden Brandschutz. Der so genannte Bestellungstenor gibt genaue Auskunft über die bestellende Behörde und den Fach- und Tätigkeitsbereich. Der angehende Sachverständige kann damit leichter die bestellende Behörde und einen ortsansässigen, bereits öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen aus dem jeweiligen Fachgebiet finden. Selbstverständlich sind auch wir vom BVS Ansprechpartner, unterstützen bei der Vorgehensweise und beraten bei der Antragstellung. Generell ist auch hier unsere Online-Datenbank zu empfehlen, denn hier sind Sachverständige mit ca. 250 Fachgebieten gelistet. Zudem stehen unsere zwölf Bundesfachbereiche als kompetente Auskunftgeber zur Verfügung. Dies sind allgemeine Informationen. Natürlich sind die individuellen Kosten auch nicht uninteressant, denn sowohl die schriftliche als auch die mündliche Prüfung sind kostenpflichtig.

Herr Hummel, welche Unterlagen müssen Sie dann bei der Handwerkskammer beibringen?

Ich werde wirklich auf Herz und Nieren geprüft und dies bereits vor der Prüfung. So gehören zu den Unterlagen der komplette Lebenslauf, das polizeiliche Führungszeugnis sowie weitere persönliche Angaben. Ebenso sind Empfehlungsschreiben wichtig. Herr Masuch kann mir ein solches Schreiben erstellen, da er meine besonderen Fähigkeiten bereits in einem größeren Projekt persönlich kennen und schätzen gelernt hat. Ich brauche aber natürlich weitere Empfehlungen.

Herr Masuch, was passiert, wenn der Bestellungskörperschaft all diese Informationen vorliegen?

Ist der Antrag auf die öffentliche Bestellung und Vereidigung angenommen, so muss bei der bestellenden Institution das geschilderte Prüfungsverfahren durchlaufen werden.

Herr Hummel, das hört sich nach einer Menge bürokratischer Vorarbeit an. Wie lange dauert es schließlich, bis diese abgeschlossen ist und welche weiteren Voraussetzungen brauchen Sie für die Prüfung?

Neben den eben aufgeführten Unterlagen muss ich einen theoretischen Fachlehrgang an der Akademie des Handwerks in Raesfeld oder in Potsdam absolvieren. Diese Fortbildung dient als Basis der Sachverständigentätigkeit und endet mit einer Prüfung, die ich bestehen muss. Ist dieser Teil bestanden, werde ich zu den weiteren Prüfungen zugelassen.

 

Herr Masuch, nicht umsonst ist also die öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen so hoch angesehen. Können Sie noch einmal beschreiben, mit welchen weiteren Faktoren angehende Sachverständige rechnen müssen?

Ja, es ist in der Tat ein langer Weg. Aber genau dies macht ja den Qualitätsunterschied aus. Für die intensive Vorbereitung auf die Prüfungen kann man sicherlich bis zu 1.000 Stunden an privater Weiterbildung kalkulieren, natürlich abhängig vom Fachgebiet. Insgesamt dauert die Vorbereitungszeit im Schnitt zwei Jahre. Dies ist schon ein enormer Aufwand, entsprechend hoch sind auch die "Abbruchquoten", denn das erteilte Prädikat "öffentlich bestellt und vereidigt" ist ein Qualitätsmerkmal und der strenge Nachweis der Fachexpertise ist nicht "im Vorbeilaufen mal eben so" zu erwerben. Der eigentliche Prüfungsumfang und die Kosten können je nach Bestellungskörperschaft variieren: Meine schriftliche Prüfung hat ca. acht Stunden gedauert und 500,00 Euro gekostet. Meine mündliche Prüfung wiederum dauerte drei Stunden. Bei dieser mündlichen Prüfung musste ich mein angefertigtes Mustergutachten überzeugend vertreten. Ich habe mich hier gut vorbereitet mit zusätzlichen Kommunikations- und Videotrainings. Dies kann ich nur empfehlen, denn das sichere und souveräne Auftreten ist wichtig. Nicht zuletzt, wenn man auch als Gerichtsgutachter tätig ist.

Herr Hummel, es liegt also noch einiges vor Ihnen. Wie unterstützt Sie der BVS-Bundesfachbereichsleiter?

Ich bekomme praktisch eine Allround-Unterstützung. Zunächst einmal profitiere ich von Herrn Masuchs umfangreichem Fachwissen und seiner langjährigen praktischen Erfahrung. Genau dieses ist wichtig, damit ich mich gut vorbereiten kann. So erhalte ich zum Beispiel Hilfe bei der Erstellung der Mustergutachten und kann ihn bei seiner Tätigkeit begleiten. Des Weiteren können wir mündliche Prüfungen simulieren, damit ich geübt in die Prüfung gehen kann. Ich profitiere einfach von dem Erfahrungsschatz eines "alten Hasen", dies natürlich bezogen auf die Sachverständigentätigkeit.

Und warum haben Sie sich hier den BVS ausgesucht, Herr Hummel?

Es gibt natürlich für mein Bestellungsgebiet eine große Anzahl an Brandschutzbüros, aber es gibt einen Mangel an öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für den Brandschutz. Der BVS bietet mir die unterstützende Hilfe auf dem Weg zum Sachverständigen. Und letztlich ist der Verband eine starke Interessensvertretung der Sachverständigen. Auch das Fort- und Weiterbildungsangebot überzeugt mich. Einen weiteren Vorteil sehe ich im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in den anderen Bestellungsgebieten. Mit insgesamt zwölf Bundesfachbereichen ist der BVS bestens aufgebaut.

Wir danken für das Gespräch!