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BVS Niedersachen Bremen: Sachverständige kritisieren fehlende Bewertungsgrundlage für Immobilen und Personalmangel im zuständigen Gutachterausschuss

Wie werden Immobilien in Deutschland bewertet und nach welchen Kriterien? Eine der wichtigsten Grundlagen sind die so genannten Grundstücksmarktberichte. Diese werden von Gutachterausschüssen der jeweiligen Kommunen als Bewertungsgrundlage, u.a. für Immobiliensachverständige, erstellt. Bis heute fehlt jedoch den Sachverständigen in Bremen diese wichtige Grundlage. Wegen Personalmangels liegt für 2014 noch kein Bericht vor. Ina Viebrok-Hörmann, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken, sieht darin eine Behinderung der Sachverständigen, die auf diese objektiven Kriterien bei der Gutachtenerstattung angewiesen sind. Nur ein Kritikpunkt, den die Landesfachbereichsleiterin Immobilienbewertung des BVS Niedersachsen-Bremen als Benachteiligung sieht.

Jährlich erscheinen in jedem Bundesland die Grundstücksmarktberichte als Basis für die Bewertung von Immobilien. Das macht auch Sinn, denn Gegebenheiten ändern sich und entsprechend müssen zum Beispiel Bodenrichtwerte, Sachwertfaktoren und Bodenrichtwert-zonen turnusgemäß neu analysiert werden. Der aktuelle Grundstückmarktbericht sollte für das Bewertungsjahr entsprechend zeitnah vorliegen. Doch in Bremen warten die Immobiliensachverständigen bis heute auf die so wichtige Bewertungsgrundlage 2014, die von den Gutachterausschüssen zusammengestellt wird. Nach dem Baugesetzbuch ist dieser Ausschuss, so auch in Bremen, mit der Analyse des regionalen Immobilienmarktes betraut, doch haben die Personalressourcen bis jetzt nicht ausgereicht, die Arbeitsgrundlage für Immobiliensachverständige vorzulegen. „Wir sehen hier eine enorme Beeinträchtigung unserer gutachterlichen Sachverständigentätigkeit“, kritisiert Ina Viebrok-Hörmann, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Immobilienbewertung. „Zum einen sind gerade wir, die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen laut Sachverständigen-ordnung unserer Handelskammer Bremen insbesondere verpflichtet, die fachliche Qualität zu gewährleisten. Uns fehlt diese wichtige Informationsquelle für den regionalen Immobilienmarkt. Die verzögerten Auswertungen und eingeschränkten Auskunftsangebote behindern unsere Arbeit massiv und vereiteln die Erfüllung dieses uns zugeschriebenen Auftrages. Es kann kaum im Interesse der Behörden sein, die Arbeit einer ganzen Berufsgruppe zu behindern“.

Ob nun lukrative, private Einzelaufträge, die ebenfalls von den Gutachterausschüssen übernommen werden und gleichzeitig Geld in die leeren Kassen der Kommunen spülen, den reinen Analysen, welche zeitaufwendig und umfangreich sind und natürlich von Städten und Gemeinden finanziert werden müssen, vorgezogen werden, ist Spekulation. Fakt ist, dass die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen nicht nur hier eine Benachteiligung sehen. „Als weiteren Kritikpunkt nennen wir den Wettbewerbsnachteil im Vergleich zu den Gutachterausschüssen. Freiberufliche Sachverständige – und auf unserem Gebiet sind die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen nahezu ausnahmslos selbstständig tätig – müssen für eine behördliche Auskunft zahlen. So kostet zum Beispiel die Einsicht in eine Bauakte 24 Euro; eine Altlastenauskunft 58 Euro. Dies summiert sich. Die Sachverständigen in den Gutachterausschüssen bitten schlicht um Amtshilfe und erhalten die Auskünfte. Schneller und natürlich kostenfrei“, so Ina Viebrok-Hörmann.

Diese Vorgehensweise ist nicht nur in Bremen so geregelt und wird innerhalb des BVS Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. rege diskutiert. Aktuell abreiten die Immobiliensachverständigen in Bremen mit dem Bericht 2013. Schon letztes Jahr wurde der Grundstücksmarktbericht erst in der zweiten Jahreshälfte publiziert. In erster Linie fordert die Landesfachbereichsleiterin Immobilienbewertung des BVS Niedersachen-Bremen eine verbesserte personelle Ausstattung des Gutachterausschusses in Bremen, damit die zeitnahe Veröffentlichung der Daten zum Immobilienmarkt für jeden Sachverständigen erhältlich ist. „Letztlich ist es natürlich im Interesse der Öffentlichkeit und der Kunden, nach aktuellen Zahlen ein Gutachten erstellt zu bekommen“, so die Dipl.-Sachverständige (DIA).