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Meinungen von Sachverständigen

40. Aachener Bausachverständigentage

Am 7./8. April 2014 fanden die 40. Aachener Bausachverständigentage statt. Als bundesweit mitgliedsstärkste Vereinigung öffentlich bestellter und vereidigter (ö.b.u.v.) Sachverständiger war der BVS – Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. ebenfalls mit eigenem Stand vertreten.

„Die ö.b.u.v. Sachverständigen unseres Bundesfachbereiches Bau sind kompetente Ansprechpartner zur Beurteilung von Sachverhalten und Entscheidungen in bautechnischer Hinsicht und unterstützen bei eingetretenen Schäden, beraten bei Sanierungsmaßnahmen und bieten baubegleitende Qualitätsüberwachung an“, erklärt BVS-Präsident Willi Schmidbauer. „Gemäß unserem BVS-Leitbild verpflichten sich die Mitglieder zur kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung. Daher sind die Bausachverständigentage für uns von großer Bedeutung.“

Mehr als 1.200 Besucher und über 50 Aussteller nahmen an der Fachtagung teil. Moderiert wurde sie von Professor Oswald und seinem Team der AIBau GmbH (Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik GmbH). Die Vortragsreihe eröffnete Professor Oswald mit dem Titel „Qualitätsklassen im Hochbau: Standard oder Spitzenqualität?“ und wies darauf hin, dass eine spezielle Arbeitsgruppe des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz Auflagen erarbeite, die den Unternehmer in die Pflicht nehmen sollen, Baubeschreibungen detailliert darzulegen. Weiter wurden die Forschungsvorhaben zur Zuverlässigkeit von Holzdachkonstruktionen ohne Unterlüftung der Abdichtungslage, Dauerhaftigkeit von Übergängen zwischen flüssigen und bahnenförmigen Abdichtungen (am Beispiel genutzter und nicht genutzter Flachdächer), Sockelabdichtungen auf nicht massiven Untergründen sowie Solaranlagen auf Dächern im Gebäudebestand vorgestellt. In diesem Zuge wurden auch die Personalerweiterung und damit die neuen Geschäftsführer der AIBau GmbH, Dipl.-Ing. Matthias Zöller und Dipl.-Ing. Martin Oswald, vorgestellt.

Im ersten Vortragsteil von insgesamt 17 Fachvorträgen erläutert Prof. Dr. Rolf Kniffka, Vorsitzender Richter beim 7. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes, anhand von Fallbeispielen die Problematik von Interpretationsspielräumen und die aktuelle Rechtslage bei nicht vereinbarten Qualitäten. Eine besondere Rolle kommt hier dem Sachverständigen zu, der in seinen Gutachten sich aus den DIN-Normen und sonstigen Regelwerken ergebende Qualitätsanforderungen verständlich darlegen muss. Prof. Kniffka mahnt: „Der Gutachter muss den Stand der aktuellen Auseinandersetzung kennen und diesen berücksichtigen.“ Uwe Liebheit, Vorsitzender Richter a. D., ging in seinem Vortrag „Beratung des Gerichts bei der Vertragsauslegung“ bezüglich der Sollbeschaffenheit darauf ein, dass der Sachverständige im Rahmen der Gutachtenerstattung gehalten ist, die vermeintlichen Rechtsfragen in jeder Sicht klar und nachvollziehbar zu erläutern, so dass das Gutachten in jedem Teil nachvollziehbar ist.

Die VDI 4100:2012 Schallschutz im Hochbau „Die neuen Schallschutzklassen, praxisgerechte Qualitätsstufen im Schallschutz?“ stellte Prof. Rainer Pohlenz vor. Insbesondere unterscheiden sich hier die tatsächliche technische Messung und die subjektive (Lärm-)Empfindung, so Prof. Pohlenz. Dipl.-Ing. Matthias Zöller stellte im Anschluss das Thema „Nachhaltigkeitskriterien und Dauerhaftigkeit von Massivbauweisen und anderen Bauweisen“ gegenüber, ehe Prof. Dr.-Ing. Carl-Alexander Graupner die „Nachhaltigkeitsqualität von Wohngebäuden – Massivhaus vs. Holzleichtbau“ erklärte. Der Nachhaltigkeits-Begriff erlebe derzeit eine Renaissance, so Prof. Graupner. Sachverständige seien daher gut beraten, die EU-Bauproduktenverordnung (Bau-PVO) zu kennen, da diese die Nachhaltigkeit von Bauprodukten beschreiben.

Prof. Dr.-Ing. Anton Maas von der Universität Kassel ging in seinem Vortrag „Wärmeschutz und Energieeinsparung: Typische Streitpunkte und Beurteilungsprobleme zum geschuldeten Wärmeschutzstandard“ unter anderem auf die Frage ein, wie die Toleranzen hinsichtlich der Einhaltung von Jahresprimärenergiebedarf und speziell Transmissionswärmeverlust auszusehen haben. Anhand des Referenzgebäudes wurden einzelne Probleme dargestellt und die nutzungsbedingten Einflüsse auf den Jahresprimärenergiebedarf für ein Einfamilienhaus herausgestellt.

Der leitende Baudirektor am Deutschen Institut für Bautechnik, Dipl.-Ing. Christian Herold, ging in seinem Vortrag „Qualitätsstufen bei Parkdecks Abdichtungen oder Oberflächenschutz?“ auf die verschiedenen Normen ein und stellte die DIN 18532 mit seinen Anwendungsbereichen vor. Die Lösung der Schnittstelle und Abdichtung ist die wesentliche Aufgabe des Planers, denn dem Monteur seien die Schnittstellen oftmals nicht bewusst, so Herold.

Der zweite Veranstaltungstag startete mit dem Vortrag von Mario Sommer, Sopro Bauchemie, zum Thema „Hoch beanspruchte Nassräume: alleiniger Schutz durch Verbundabdichtung angemessen?“ und zeigte die Differenzierung der Beanspruchungsklassen im bauaufsichtlich geregelten Anwendungsbereich auf. Im Anschluss erklärte Dipl.-Ing. Karsten Ebeling in seinem Vortrag „Qualitätsklassen bei Weißen Wannen – Gleichwertige Lösungen trotz verschiedener Abdichtungsstrategien“ die unterschiedlichen Aspekte, welche unter diesem Qualitätsbegriff zusammengefasst werden, und stellte hierbei die Checkliste für die Klassifizierung weißer Wannen vor (www.isvp.de/Betonberatung/WeisseWannen-B1.html).

Im Pro- und Kontra-Thema „Qualitätsanforderung an die Trockenheit von Nebenräumen, was ist geschuldet?“ wurde ergebnisoffen diskutiert, da unterschiedliche Sichtweisen nicht abgegrenzt wurden. Auf den kostenfreien Link www.wdvs-planungsatlas.de ist besonders hinzuweisen. Zum Abschluss der Veranstaltung griff Dipl.-Physiker Michael Rossa in seinem Vortrag „Qualitätsunterschiede bei Fenstern, welche Qualität ist geschuldet?“ die Frage auf, welche Kriterien bei der baulichem Umsetzung zu berücksichtigen seien. Neben dem Wärmeschutz und der Tauwasserfreiheit, Einbruchhemmung, Lüftung und Gebrauchstauglichkeit sei vor allem die fachgerechte Montage von Bedeutung. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren für Neubau und Modernisierung neu erscheint. Der Schwerpunkt hierbei bildet die Bearbeitung der Fragen zur Lastabtragung und Befestigung von modernen Wandkonstruktionen. Wie schon bei allen Vorträgen zuvor wurde darauf hingewiesen, dass bei allen Konstruktionen zwingend eine ganzheitliche Betrachtung notwendig ist, da einseitige Optimierungen und die Vernachlässigung des Zusammenspiels der einzelnen Bauteile zu Schäden führen können.

Die 41. Aachener Bausachverständigentage vom 20. und 21. April 2015 bauen genau auf diese Problematik der ganzheitlichen Betrachtung an den Bauteilen Außenwände und Fenster auf, so dass die Diskussion zur Sicherstellung der Qualitäten am Bau, wie anlässlich der 40. Aachener Bausachverständigentage begonnen, fortgesetzt wird.