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BVS: Allgemeine Informationen zu den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen

Es gibt kein Gesetz, das den Sachverständigenberuf und die Ausbildung dazu definiert. Folglich kann sich jeder, der sich für geeignet und berufen hält, als Sachverständiger, Gutachter oder Experte bezeichnen.

Was genau ist eigentlich ein Sachverständiger und was ist seine Aufgabe?

 

Es gibt kein Gesetz, das den Sachverständigenberuf und die Ausbildung dazu definiert. Folglich kann sich jeder, der sich für geeignet und berufen hält, als Sachverständiger, Gutachter oder Experte bezeichnen. Ein Qualitätsgarant ist die öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen. Diese Bestellung beinhaltet zahlreiche Grundvoraussetzungen, die ein Sachverständiger erfüllen muss. Die wesentliche Aufgabe des Sachverständigen besteht darin, Gutachten zu erstatten. Darunter versteht man die Feststellung von Tatsachen, die Darstellung von Erfahrungssätzen oder die Ableitung von Schlussfolgerungen zum Zwecke der tatsächlichen Beurteilung eines Zustandes in Form eines objektiven und allgemein gültigen Urteils. Des Weiteren kann ein Sachverständiger mit Prüf- und Überwachungsaufgaben, baubegleitenden Qualitätskontrollen, Ausstellung von Bescheinigungen, Erstattung von Schiedsgutachten und vieles mehr beauftragt werden. Ebenso kann er tätig werden als Sachverständiger bei einem Schiedsgericht oder in Schiedsgerichtsverfahren sowie als Mediator. Allein aus dieser Aufgabenvielfalt zeigt sich, dass hohe Anforderungen an einen Sachverständigen gestellt werden. Für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige gelten die Bestellungsgrundlagen der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern sowie anderer Bestellungskörperschaften. Die IHK bestellt beispielsweise gem. § 36 Gewerbeordnung auf Antrag Sachverständige für bestimmte Sachgebiete nach Maßgabe festgelegter Kriterien und Voraussetzungen.

 

Wer ist als Sachverständiger geeignet?

 

Eine grundsätzliche Eignungsprüfung ergibt sich bereits aus den hohen Anforderungen, die an Sachverständige gestellt werden: Abgrenzbares Sachgebiet, überdurchschnittliches Fachwissen, besondere Praxiserfahrung, persönliche Integrität, unparteiische, unabhängige, weisungsfreie und persönliche Aufgabenerfüllung. Irrtümlicherweise wird vielfach davon ausgegangen, dass jeder Sachverständige vor Aufnahme seiner Tätigkeit auf fachliche Kompetenz und persönliche Integrität geprüft und während der Ausübung seiner gutachterlichen Tätigkeit überwacht wird. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Nur bei öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen erfolgt hier eine regelmäßige und umfangreiche Prüfung sowie Überwachung.

 

Wie wird man Sachverständiger?

 

Wie bereits dargestellt,  ist die Berufsbezeichnung Sachverständiger nicht gesetzlich geschützt. Allgemein unterscheidet man zwischen amtlich anerkannten, öffentlich bestellten und vereidigten, selbsternannten sowie verbandsanerkannten Sachverständigen. Sachverständige erstellen Gutachten im Privatbereich und/oder für Gerichte.

 

Die amtlich anerkannten Sachverständigen werden aufgrund besonderer gesetzlicher Bestimmungen auf bestimmten Sachgebieten hoheitlich tätig, indem sie gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen von Gegenständen (zum Beispiel Kraftfahrzeuge oder Aufzüge) oder auch die Abnahme von Leistungen durchführen. In überwiegender Anzahl sind sie Angestellte oder selbstständige Vertragspartner von amtlich anerkannten Prüf- und Überwachungsorganisationen (zum Beispiel GTÜ, DEKRA, TÜV‘s etc.).

 

Sachverständige werden nur dann öffentlich bestellt und vereidigt, wenn sie ihre besondere Sachkunde in einem umfangreichen Prüfungsverfahren nachgewiesen haben  und keine Bedenken gegen ihre persönliche Eignung bestehen. Sie leisten einen Eid darauf, dass sie ihre Aufgaben gewissenhaft, unabhängig, unparteiisch, persönlich und weisungsfrei erfüllen. Durch ihre Bestellung werden sie dazu verpflichtet, als Sachverständige für die Gerichte tätig zu werden. Des Weiteren unterliegen sie einem umfangreichen Pflichtenkatalog während der Zeitdauer der öffentlichen Bestellung. Sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und müssen alle fünf Jahre ihre Eignung bei ihrer Bestellungskörperschaft erneut nachweisen.

 

Die selbst ernannten Sachverständigen bedürfen für die Ausübung ihrer Tätigkeit keiner behördlichen Zulassung, unterliegen keiner gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildung oder staatlichen Anerkennung. Sie dürfen diese Berufsbezeichnung nur führen, weil sie nicht gesetzlich geschützt ist.

 

Verbandsanerkannte Sachverständige können von Sachverständigenorganisationen anerkannt werden, wenn bestimmte durch die Rechtsprechung festgelegte Voraussetzungen erfüllt sind. Sie müssen über besonders hohe Qualifikationen verfügen und diese vor kompetenter Stelle mit Erfolg unter Beweis gestellt haben. Zudem muss der Sachverständige die erforderliche Unabhängigkeit und Objektivität mitbringen. Rechtlich steht der verbandsanerkannte Sachständige dem selbst ernannten gleich.

 

Warum und wo werden Gutachter gebraucht?

 

Gutachten werden sowohl im Privatbereich als auch bei Gericht benötigt. Gutachten sind Feststellungen von Tatsachen, die Darstellung von Erfahrungssätzen oder die Ableitung von Schlussfolgerungen zum Zwecke der tatsächlichen Beurteilung eines Sachverhaltes in Form eines objektiven und allgemein gültigen Urteils. Dies können zum Beispiel die Beurteilung von Schäden an Gebäuden oder die Bewertung eines Kfz, einer Immobilie oder eines Kunstwerkes sein. Gutachten dienen aber auch als Präventionsmaßnahme zum Beispiel bei der Überprüfung des Vorhandenseins eines ausreichenden Brandschutzes bei Gebäuden. Vor Gericht dienen Gutachten zumeist als Grundlage zur technischen oder wirtschaftlichen Beurteilungen von streitigen Sachverhalten und tragen damit wesentlich zu einer unabhängigen Rechtsprechung bei.


Wo werden sie außerhalb gerichtlicher Zuständigkeiten benötigt?


Außerhalb der gerichtlichen Zuständigkeit kann natürlich jede Privatperson und jedes Unternehmen Gutachten in Auftrag geben. Dies kann zum Beispiel zur Feststellung eines Immobilienwertes sein, zur objektiven Beurteilung eines Schadens (zum Beispiel Kfz) oder zur Wertfeststellung eines Gegenstandes (zum Beispiel Gemälde, Teppich). Privatauftrag und gerichtlicher Auftrag unterscheiden sich insbesondere durch das Rechtsverhältnis zwischen Auftraggeber und Sachverständiger und die damit verbundenen jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen.

 

Wird die Tätigkeit als öffentlich bestellter und vereidigter SV haupt- und/oder nebenberuflich ausgeübt? Welche Verdienstmöglichkeiten gibt es?

 

Die Tätigkeit kann sowohl haupt- als auch nebenberuflich ausgeübt werden. Die Verdienstmöglichkeiten sind unter anderem abhängig davon, ob der Sachverständige gerichtlich oder privat beauftragt wird. Gerichtlich beauftragte Sachverständige sind verpflichtet, für die Justiz tätig zu werden. Hier gelten feste Regelsätze, die in den Vergütungsstufen des Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetzes JVEG festgelegt sind. Privat beauftragte Sachverständige unterliegen den Grundsätzen des freien Marktes. Das heißt, hier gelten die branchenüblichen Stundensätze für die jeweilige Tätigkeit. Diese Honorare können wiederum je nach Branche (zum Beispiel Kfz, Immobilie etc.) variieren.


Wie sieht es mit der Auftragslage und der Zukunft des Sachverständigenberufes aus?


Die Zahl der von Gerichten benötigten Sachverständigen wächst stetig. Im Privatbereich ist die Auftragslage auch immer abhängig von der jeweiligen Branche beziehungsweise dem jeweiligen Tätigkeitsfeld. Die höchste Qualifikation für einen Sachverständigen ist die öffentliche Bestellung und Vereidigung. Diese Bestellung garantiert dann auch dem Auftraggeber, dass Qualität geliefert wird. Die Auftragslage und die Zukunft für diesen Beruf sind positiv zu beurteilen.

 

Welche Zertifikate gibt es für Gutachter?

 

Bei der Frage nach Zertifikaten kann es nur eine richtige Antwort geben: Fragen Sie den Sachverständigen danach, welche unabhängige und neutrale Institution ihn auf seine Sachkunde, Unabhängigkeit und Integrität überprüft hat und dies auch regelmäßig wiederholt. Dies gilt in dieser Eindeutigkeit nur für die ö.b.u.v. Sachverständigen und alle anderen, die ihre Tätigkeit auf einer sie legitimierenden gesetzlichen Grundlage ausüben. Bei den Institutionen, die diese Sachverständigen bestellen, zulassen oder anderweitig auf Grund eines ihnen übertragenen gesetzlichen Auftrages hoheitlich anerkennen, kann man erforderlichenfalls auch eine Beschwerde über den Sachverständigen einreichen. Aber es fehlt diese unabhängige Kontroll- und Beschwerdemöglichkeit bei selbsternannten Sachverständigen. Urkunden und Zertifikate kann fast jeder ausstellen. Entscheidend ist aber, wer es getan hat. Bei einem ö.b.u.v. Sachverständigen ist dies ganz eindeutig.