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Meinungen von Sachverständigen

Sachverstand gefragt, wenn es um der Deutschen liebstes Fortbewegungsmittel geht!

Deutschland – Autoland. Ob interne Zulassungszahlen oder Auslandsexport – das deutsche Automobil ist gefragter denn je. Das freut die Autowirtschaft. Erfreulich ist auch die bundesweit zurückgehende Unfallquote im Vergleich zum Vorjahr. Doch wer einen Unfallschaden hat, ist gut beraten, wenn er auf ein qualifiziertes Gutachten achtet. Dipl.-Ing. Ronald Lorenz, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung, erklärt, was ein Kfz-Halter im Falle des Falles berücksichtigen sollte.

Ein Schaden am Kraftfahrzeug kann durch die unterschiedlichsten Einwirkungen entstehen: klassischer Unfall durch Krafteinwirkung, Getriebe- und Motorschaden, nicht fachgerechte Reparaturen oder Schäden durch Elementarereignisse wie Hagel und Hochwasser. Dies sind nur einige Ursachen, die das Kfz in Funktion und Gebrauch einschränken bzw. nicht benutzbar machen. Im Falle eines Schadens ist die Beurteilung durch einen qualifizierten Sachverständigen für Verbraucher, Versicherungen und im Streitfall auch für die Justiz nötig. „Sachverständige des Kraftfahrzeugwesens müssen heute kompetente Generalisten sein“, erklärt Dipl.-Ing. Ronald Lorenz. „Wir müssen uns in den verschiedensten Bereichen auskennen und ebenso über überdurchschnittliche Technik-Kenntnisse verfügen. Hierzu zählen das Fachwissen über Getriebetechnik, Materialkunde, Verbrennungsmaschinen, Spektralanalyse und Reparaturmethoden, um nur einige zu nennen.“

 

Anspruch auf Gutachten

Generell hat jeder an einem Schadenfall Schuldlose das Recht, einen Schaden durch einen unabhängigen Sachverständigen begutachten zu lassen. Ein Geschädigter kann bei einem Unfallschaden einen Gutachter beauftragen. Die Versicherung des Verursachers muss diesen Sachverständigen bezahlen. Hiervon ausgenommen sind so genannte Bagatellschäden, also Kleinschäden, die im Reparaturwert bei bis zu maximal 1.000 Euro liegen. Die Höhe der zu erwartenden Instandsetzung ist natürlich für den Laien schwer einschätzbar. Auch diese erste Einschätzung übernimmt der Sachverständige, bevor er mit der kompletten Begutachtung beginnt.

 

„Es müssen zudem einige Kriterien erfüllt sein, damit ein Sachverständigengutachten übernommen wird. Der Kunde der Versicherung muss nachweislich schuldlos am Schaden sein und ein Bagatellschaden darf nicht vorliegen“, erklärt Ronald Lorenz. „Im Totalschadenfall wird vom Gutachter beispielsweise auch der Wiederbeschaffungswert ermittelt.“

Inaugenscheinnahme eines Unfallschadens

„Oft wird ein Sachverständiger auch direkt vor Ort zu einem Unfall gerufen, um ein Kfz vorab zu besichtigen. Der Schadenumfang ist aber selbst für den Profi nicht immer auf den ersten Blick eindeutig erkennbar“, weiß der Kfz-Sachverständige. „Zeigt sich beispielsweise äußerlich nur ein verbeultes Nummernschild und ein kleiner Kratzer, so kann bei näherer Betrachtung in der Werkstatt der Schaden erheblich größer sein. Ich hatte einen Fall, bei dem der Schaden auch von der Polizei auf ca. 200 bis 300 Euro geschätzt wurde und damit in den Bereich Bagatellschaden gefallen wäre. Jedoch zeigte sich bei genauerer Begutachtung in einer Werkstatt, dass die Krafteinleitung durch den Unfall u. a. die Klimaanlage, den Wasserkühler und den Kondensator beschädigt hatte. Hier war also ein Schaden entstanden, der de facto das Zehnfache des geschätzten Schadens an Reparatur kostete. Der Verbraucher weiß oft nicht, dass er als Geschädigter einen Sachverständigen beauftragen darf und die Kosten von der gegnerischen Versicherung zu tragen sind. Hier kann man sich viel Ärger ersparen.“

 

Versicherungen und Sachverständige

Entsteht einem Versicherungsnehmer mit Kaskovertrag ein Schaden am Kfz, z. B. durch Hagel, Unfall oder einen Motorschaden, so ist die Versicherung berechtigt, den Schaden durch einen eigenen Sachverständigen begutachten zu lassen. Will der Fahrzeuginhaber das Gutachten durch einen eigenen Sachverständigen gegenprüfen lassen, so muss er dies selbst bezahlen. „Es macht oft trotzdem Sinn, ein Gutachten erstellen zu lassen“, meint Ronald Lorenz. „Nehmen wir an, ein Fahrzeughalter wird geschädigt und der Unfallgegner hat die gleiche Haftpflichtversicherung wie der Geschädigte. Gutmütigerweise meldet der Geschädigte einen Schaden und die Versicherung verzichtet auf ein Sachverständigengutachten und gibt sich mit dem Kostenvoranschlag der Werkstatt zufrieden. In diesem Falle ermittelt aber die Werkstatt im Vergleich zum Sachverständigen nicht die Wertminderung des Autos. Entsprechend wird die Wertminderung auch nicht gezahlt. Zudem spart die Versicherung die Kosten für den Gutachter.

 

Wer ist der geeignete Sachverständige?

„Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige müssen bei der öffentlichen Bestellung und Vereidigung ihre besonderen Fachkenntnisse nachweisen. Diese höchste Qualifikation eines Sachverständigen wird in regelmäßigen Abständen geprüft. Zudem sind sie zur kontinuierlichen Fortbildung verpflichtet. Ein Grund, warum Gerichte und auch Rechtschutzversicherungen nahezu ausschließlich mit öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen arbeiten“, erklärt Ronald Lorenz.

 

Ein Sachverständiger für alle Fälle?

„Jede Begutachtung ist unterschiedlich. Seriöse Sachverständige ziehen bei Bedarf Sachverständige eines weiteren Gebietes hinzu. Ist zum Beispiel ein Brandschaden bei einem Kfz zu bewerten oder eine Unfallrekonstruktion nötig, wird ein Sachverständiger dieses Bestellungsgebietes hinzugezogen“, erläutert Ronald Lorenz. „Dies ist ein großer Vorteil unsers BVS-Verbandes. Das starke Sachverständigen-Netzwerk mit über 250 Gebieten ermöglicht eine enge, direkte und bundesweite Abstimmung mit ebenfalls öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Wir haben im BVS zum Beispiel einen eigenen Kfz-Bundesfachbereich. Aber auch der Verbraucher kann mit Hilfe unserer Internet-Sachverständigensuche direkt und vor Ort den geeigneten Sachverständigen ermitteln.“

 

Wie findet man den richtigen Sachverständigen?

„Es gibt leider kein Berufsgesetz, dass den Sachverständigen schützt“, kritisiert Dipl.-Ing. Lorenz. „Folglich kann sich jeder im Prinzip Sachverständiger nennen. Es gibt zum Beispiel freie oder angestellte Sachverständige. Die öffentliche Bestellung und Vereidigung ist nach wie vor die beste Qualitätsgarantie und schützt somit auch den Verbraucher bei der Beauftragung. Generell sollte man darauf achten, dass der Sachverständige sein Fachwissen nachweisen kann, indem er beispielsweise seine Erfahrung und Referenzen nennt. Auch die Frage, wer die Prüfung zum Sachverständigen abgenommen hat, ist ein Qualitätshinweis. Natürlich sind wir vom BVS als kompetenter Ansprechpartner gerne behilflich.“

 

Wie hoch sind die Kosten für einen Sachverständigen?

„Kfz-Sachverständige arbeiten bei Privataufträgen nach eigenen Honorartabellen. Diese müssen jedoch der Ortsüblichkeit bzw. dem ,billigen Ermessen‘ entsprechen. Das Gutachten ist natürlich immer abhängig vom Aufwand“, erklärt der BVS-Sachverständige. „Wir sorgen für eine transparente Leistung und erstellen einen Kostenvoranschlag. Privatwirtschaftlich kann man von einem Stundenlohn von rund 75 bis 200 Euro ausgehen. Für ein kleines Schadengutachten zahlt der Verbraucher ca. 250 Euro; bei einem großen Schaden mit entsprechend umfangreicher Begutachtung kann es schnell über 1.500 Euro kosten. Dies sind aber Richtwerte. Die Vergütung als Gerichtssachverständiger im Streitfall richtet sich nach dem JVEG (Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz).“ Hier wird nach festen Stundensätzen und benötigter Zeit zuzüglich Nebenkosten abgerechnet.