Pressemitteilungen

Meinungen von Sachverständigen

50. Gründungsjubiläum des Bundesverbandes öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS)

Berlin, 17. Juni 2011. 50 Jahre nach seiner in München in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins erfolgten Gründung als „Bundesverband der Sachverständigen“ sind heute unter dem Dach des „Bundesverbandes öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e. V. (BVS)“ 12 Landesverbände sowie 12 Fachverbände mit insgesamt mehr als 4.000 Sachverständigen aus rund 250 verschiedenen Sachgebieten versammelt. Damit stellt der BVS den größten berufsständischen Zusammenschluss öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger in Deutschland dar.

Anlässlich des 50. Gründungsjubiläums resümiert BVS‐Präsident Roland R. Vogel: „Der BVS konnte in den letzten fünf Jahrzehnten wesentlich dazu beitragen, dass aus der Tätigkeit des Ingenieurs oder Handwerksmeisters, der es zunächst als besondere Ehre und Auszeichnung betrachtete, von einem Gericht zur Gutachtenerstattung in Anspruch genommen zu werden, heute eine in vielen Fällen hauptberuflich ausgeübte Sachverständigentätigkeit geworden ist.“
Dieser Professionalisierung der Sachverständigentätigkeit trägt der BVS insbesondere dadurch Rechnung, dass er die Sachverständigen in seinen Mitgliedsverbänden dazu anhält, ihrer Fort‐ und Weiterbildungspflicht regelmäßig nachzukommen. „Ein Sachverständiger, der sich auf seinem Fachgebiet nicht ständig fortbildet und sein Wissen aktuell hält, verliert den Anspruch und das Recht darauf, mit seinen Gutachten zur Lösung von Konflikten beitragen zu können“, unterstreicht Vogel.

Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft

Als großes Manko sieht der BVS nach wie vor den fehlenden Bezeichnungsschutz für den Sachverständigenberuf. „Sachverständiger kann sich jeder nennen, egal, auf welchem Fachgebiet er glaubt, über besonderes Fachwissen zu verfügen. Für den Verbraucher ist es daher nur schwer zu erkennen, welcher Anbieter von Dienstleistungen als Sachverständiger oder Gutachter seriös ist“, so Verbandspräsident Vogel. „Würde der Gesetzgeber nur solchen Personen das Führen dieser Berufsbezeichnung gestatten, die über eine öffentliche Bestellung und Vereidigung oder eine andere amtliche Zulassung oder staatliche Anerkennung als Sachverständige verfügen, würde es der großen Zahl an Verbrauchern, die nur wenige Male im Leben ein Sachverständigengutachten benötigen, erheblich leichter fallen, hier die Spreu vom Weizen zu trennen.“

Nicht einfacher wird diese Situation auf europäischer Ebene. In der Europäischen Union existiert beinahe in jedem Mitgliedsstaat eine andere gesetzliche Grundlage für das Ausüben des Sachverständigenberufes. „Die derzeit 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben zum Teil sehr unterschiedliche Regelungen dazu, was unter der Bezeichnung ‚Sachverständiger‘ oder ‚Gutachter‘ zu verstehen ist. Für die Zukunft benötigen wir daher eine klare verbraucherorientierte und europaweit anerkannte gesetzliche Lösung“, sagt Vogel.

Die wichtigsten Erfolge der vergangenen 50 Jahre

Zu den wichtigsten Meilensteinen und größten Erfolgen des BVS in den vergangenen 50 Jahren zählt insbesondere, wesentlich zur Schaffung eines eigenständigen Berufsbildes der Sachverständigen beigetragen zu haben.

Dies zeigt sich auch darin, dass sich der Bundesgesetzgeber von den maßgeblich vom BVS vorgetragenen Argumenten überzeugen ließ und im Jahre 2004 mit dem Justizvergütungsund ‐entschädigungsgesetz – JVEG eine gesetzliche Vergütungsregelung einführte. Dadurch wurde die mehr als 70 Jahre geltende Regelung der bloßen Entschädigung von Einkommensverlusten, die durch die Gerichtssachverständigentätigkeit entstanden, abgelöst.

Ein weiterer wichtiger Erfolg der Verbandstätigkeit war die Durchsetzung des Fortbestands der hohen Qualitätsstandards der öffentlichen Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen im Zuge der Umsetzung der EU‐Dienstleistungsrichtlinie in bundesdeutsches Recht im Jahre 2008.

Der BVS vertritt den Berufsstand der in seinen Mitgliedsverbänden zusammengeschlossenen Sachverständigen in der Öffentlichkeit und nimmt deren Interessen wahr. Im Einzelnen betrifft dies die Mitwirkung an der das Sachverständigenwesen unmittelbar betreffenden Gesetzgebung sowie die Mitwirkung bei Fachgesetzen, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Sachverständigen stehen. Darüber hinaus fördert der BVS aktiv die Fort‐ und Weiterbildung seiner Mitglieder und engagiert sich in der Ausbildung angehender Sachverständiger. Alle zwei Jahre richtet er als Initiator und Hauptträger in Berlin den „Deutschen Sachverständigentag – DST“ und wechselweise in Köln und Berlin den „Deutschen Kunstsachverständigentag – KST“ aus. Die vom BVS herausgegebene Fachzeitschrift „Der Sachverständige“ erscheint monatlich in einer Auflage von ca. 4.000 Exemplaren.