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Meinungen von Sachverständigen

BVS fordert Berufsgesetz zum Schutz der Bezeichnung „Sachverständiger“

Berlin, Juni 2012. Der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e. V. (BVS) fordert eine gesetzliche Regulierung des Sachverständigenwesens. Weder auf Bundesebene noch auf europäischer Ebene wurden bislang verbindliche Regeln festgeschrieben. Anlässlich der Delegiertenkonferenz des BVS am 15.06.2012 in Potsdam erneuerte der Verband seine Forderung.

BVS-Präsident Roland R. Vogel erläutert: „Sachverständige werden von Unternehmen, Institutionen, Privatleuten und Gerichten beauftragt. Häufig haben ihre Gutachten und Empfehlungen erhebliche Auswirkungen, zum Beispiel auf die Sicherheit oder die Wertermittlung von Gebäuden. Es ist absolut unverständlich, dass die Bezeichnung ‚Sachverständiger’ ungeschützt ist.“

Der BVS als der größte Zusammenschluss öffentlich bestellter und vereidigter (ö.b.u.v.) Sachverständiger macht sich seit Jahrzehnten für die gesetzliche Regulierung seines Berufsstands stark. Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige arbeiten bereits heute nach strengen Vorgaben. Es wäre demnach ein Leichtes, die in langjähriger Praxis erprobten Maßstäbe zur Zulassung eines ö.b.u.v. Sachverständigen in ein allgemeingültiges Berufsgesetz zu gießen.

Warnung vor negativer Entwicklung des Sachverständigenberufs
Roland R. Vogel warnt vor einer negative Entwicklung im Sachverständigenwesen, sollte die Berufsbezeichnung nicht geschützt und klare Regeln zur Ausbildung von Sachverständigen aufgestellt werden: „Es darf nicht sein, dass der Sachverständigenberuf zur Resterampe der Berufswelt verkommt. Der Sachverständigenberuf darf nicht zum Sammelbecken in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden, in das sich diejenigen flüchten, die nicht unterkommen. Sachverständiger zu sein lässt sich nicht im Schnellverfahren lernen, besonders nicht, wenn gerade kein anderer Posten in Sicht ist. Kommt dies vor, ist das eine denkbar schlechte Werbung für das Sachverständigenwesen, ist dies verheerend für das Gemeinwesen.“

Der Sachverständige ist Teil der Wissensgesellschaft. Er lebt von seinem Wissensvorsprung. Der Verbraucher, der einen Sachverständigen benötigt, kann allerdings nicht erkennen, welcher Sachverständige am Markt gut ausgebildet ist und wer als „schwarzes Schaf“ die Situation des fehlenden Berufsgesetzes ausnutzt und sich ohne hinreichende Qualifizierung als Sachverständiger bezeichnet.

Ein Berufsgesetz könnte Klarheit und Rechtssicherheit schaffen und zudem Vorbild für andere EU-Staaten sein. Denn auch hier gibt es vergleichbare Anforderungen an qualifizierte Sachverständige und ihre sachverständigen Leistungen, die in den unterschiedlichsten Regularien festgeschrieben, aber weitgehend nicht in ein Gesetz gegossen sind. Die europäische Sachverständigenorganisation EuroExpert hat unter maßgeblicher Mitwirkung des BVS als Vertreter für Deutschland zahlreiche Qualifikations-Standards entwickelt. Diese Standards sind in vielen Ländern bereits umgesetzt worden und können damit sehr gut als europataugliche Grundlage für ein Berufsgesetz mit Vorbildcharakter dienen.

Roland R. Vogel unterstreicht: „Sachverständige genießen ein besonderes Vertrauen. Der Schutz dieses Vertrauensverhältnisses Sachverständige – Gesellschaft muss eine ständige Aufgabe sein. Der Gesetzgeber muss dieses Thema endlich anpacken.“